· 

Warum Du nicht diszipliniert sein musst

Disziplin und Willensstärke sind angeblich unentbehrlich, um das Wunschgewicht zu erreichen. Wer konsequent in seiner Ernährung ist und regelmäßig trainiert, gilt als diszipliniert. Doch in Wahrheit hat Disziplin nichts mit Quälerei zu tun. Und sie ist auch nicht wenigen, Privilegierten vorenthalten.

Es gibt sie, diese Menschen, die sich von jetzt auf gleich das jahrelange Rauchen abgewöhnen, regelmäßig zum Training gehen, dem Junk-Food oder Alkohol grundsätzlich entsagen, immer pünktlich ihre Steuererklärung abgeben und konsequent die Berufsleiter erklimmen ... während man selbst es hält wie Mark Twain:

 

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft“

 

Denkst Du ebenfalls, mit genügend Disziplin lässt sich jede Herausforderung meistern? Das ist ein sehr destruktiver Gedanke. In der Konsequenz gibt man sich nämlich selbst die Schuld daran, wenn man scheitert. Hast Du in der Vergangenheit schon mal beispielsweise vergeblich versucht, Dich gesünder zu ernähren, aber Dich nicht daran gehalten? Hast Du diese Erfahrung als „Versagen“ bewertet? Folgten Gefühle wie Frust oder Hilflosigkeit?

 

Wie schaffen Andere es, konsequent am Ball zu bleiben? Woher nehmen sie diese ominöse Extra-Portion Energie, nach dem Feierabend noch ins Training zu gehen? Wie bewältigen sie ihren Stress neuerdings ohne Zigaretten? Wie können sie den leckeren Burger mit Pommes links liegen lassen? Wie verkneifen sie sich den Cocktail am Samstagabend?

 

Die Antwort ist etwas ernüchternd: sie tun es nicht. Sie brauchen keine Extraportion Energie für Sport nach einem neunstündigen Tag im Büro. Sie müssen sich Burger, Pommes und Cocktail nicht verbieten.

 

Sie wollen es so. Was sie tun, tun sie gerne.

 

Es gibt keinen inneren Widerstand - und deshalb fällt es ihnen leicht. Denn sie versprechen sich wahrscheinlich einen Mehrwert von ihren Entscheidungen und empfinden sie somit als Gewinn. Frag mal einen Veganer, woher er die Disziplin nimmt, täglich auf Fleisch zu verzichten. Er wird Dich wahrscheinlich erstaunt ansehen und antworten, dass er seine vegane Kost nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung empfindet. Er möchte das so. Das ist für überzeugte Fleischesser nicht nachvollziehbar. Aber es sind eben auch überzeugte Fleischesser!

 

Wenn Du nicht hinter einer Sache stehst und Dich innerlich dagegen sträubst, wird es Dir schwer fallen und Du wirst Dich zwingen müssen.

 

Wenn Dich eine Sache begeistert und Du vom Mehrwert für Dich überzeugt bist, hast Du mehr als genug Antrieb von innen, damit Dein Vorhaben zum Selbstläufer wird.

Wollen - oder müssen?

Veränderungen erfordern immer ein Umdenken. Und vielleicht auch ganz handfeste Veränderungen in Deinem Alltag. Wenn Du Dir etwas Neues vornimmst, was Deinem bisherigen Lebensalltag Einiges abverlangen könnte, solltest  DU für Dich klären:

  • Will ich das wirklich?
  • Wie sehr will ich das?
  • Was bedeutet es für mich, es NICHT zu tun?
  • Bin ich auch fest davon überzeugt, dass ich es erreichen kann? 

Die Basis für Erfolg ist keine besondere Härte gegen sich selbst im Umgang mit "Versuchungen", sondern Deine Gedanken und Gefühle. Wie denkst und empfindest Du wirklich bezüglich deiner Pläne? Denn mal ehrlich: wenn Du etwas wirklich willst - wer soll Dich denn dann davon abhalten?

Disziplin ist ein Ergebnis

 

Wer sich mit dem Begriff „diszipliniert“ oder „undiszipliniert“ identifiziert, macht es sich unnötig schwer. Wenn sich jemand in letztere Kategorie einordnet, baut er eine kontraproduktive Blockadehaltung auf: er geht sein Vorhaben gar nicht erst an aufgrund der Überzeugung dass ihm eh „die nötige Disziplin fehlt“, um es dauerhaft durchzuziehen

 

Wer sich mit Disziplin oder Disziplinlosigkeit identifiziert, ist festgefahren.

 

Dabei hilft ein schlichter Perspektiv-Wechsel: Disziplin ist keine angeborene Eigenschaft so wie blaue Augen oder ein hitziges Gemüt. Sie ist keine Voraussetzung, sondern das Ergebnis bestimmter Verhaltensweisen. Verhaltensweisen kann man lernen. Jeder kann Verhaltensweisen aufbauen, die so konstant sind, dass es nichts es ins Rütteln bringen kann.  

 

Man ist nicht diszipliniert, sondern man verhält sich diszipliniert.

 

Selbstdisziplin ist ein Verhalten. Jedem Verhalten liegt ein Motiv zugrunde. Deshalb kann man (s)ein Verhalten jederzeit ändern, indem man seine innere Einstellung ändert.

 

 

 

Gewohnheiten sind der Schüssel

Wir Menschen sind träge Gewohnheitstiere und Gewohnheiten zu ändern, ist anstrengend. Umstellungen sind harte Arbeit, egal ob im Großen oder im Kleinen. Es ist alles andere als leicht, neue Vorhaben konsequent anzugehen.

 

Manchmal sind sie jedoch die Mühe wert - vor allem dann, wenn allein der Gedanke daran uns mit Freude erfüllt und die Idee uns begeistert. Mühe ist jedoch nicht gleichzusetzen mit Qual. Niemand möchte sich permanent zu etwas „überwinden“. Es ist durchaus möglich, mit Freude und Leichtigkeit seine Ziele zu erreichen. Wenn die innere Überzeugung stimmt, wird sich nicht das quälende Gefühl einstellen, sich überwinden zu müssen.

 

Wenn ein Vorhaben Umstellungen erfordert, die uns immer wieder und dauerhaft schwerfallen, sollten wir die Schuld nicht auf fehlende Disziplin schieben, sondern vielmehr unsere innere Einstellung zur Sache überdenken.

 

Möglicherweise gibt es hier ganz andere Baustellen, die zunächst in Angriff genommen werden sollten: das Ziel ist vielleicht nicht klar genug formuliert. Oder es flößt uns zu große Angst ein. Oder das Vorhaben ist nicht wirklich unser Wunsch, sondern der Wunsch unseres Partners, der Eltern oder Freunde. Oder das Vorhaben ist uns in Wahrheit gar nicht so wichtig.

 

Wer eine feste Absicht für sich gefunden hat, findet mit Leichtigkeit Wege, diese Absicht zu verfolgen und sucht sich – bewusst oder unbewusst – eine eigene Erfolgsstrategie (und wer sich damit schwertut, kann immer noch einen Coach engagieren).

Fazit

Disziplin ist nicht, wie viele denken, eine charakterliche Voraussetzung, um erfolgreich zu sein. Disziplin ist das Ergebnis von konstanten Verhaltensweisen. Welche Verhaltensweisen man aufbaut, hängt mit der inneren Einstellung zusammen.

 

Mit Wünschen, Sehnsüchten und Zielen. Wenn Du nicht hinter einer Sache stehst und Dich innerlich dagegen sträubst, wird es Dir schwer fallen und Du wirst Dich zwingen müssen. Wenn Dich eine Sache begeistert und Du vom Mehrwert für Dich überzeugt bist, hast Du genug innerlichen Antrieb, damit Dein Vorhaben zum Selbstläufer wird.

 

Wer sich mit dem Begriff „diszipliniert“ oder „undiszipliniert“ identifiziert, macht es sich unnötig schwer. Man muss sich nur fragen, was man will. Wenn es keinen inneren Widerstand gibt, fällt konsequentes Verhalten leicht.  Im Kern entscheidet Deine innere Einstellung zu den Dingen darüber, ob Du Dich für eine Sache ins Zeug legst (dich diszipliniert verhältst) oder Dich lieber davor drückst (undiszipliniert verhältst).

 

Der  Grundstein dafür, ob Du mit Deinem Vorhaben Erfolg haben wirst oder nicht, ist ein Bewusstsein darüber, was Du willst.

 

 

©Ayeshe Nawal Hercules I Personal Trainerin & Ernährungscoach Darmstadt 


Bildquellen im Artikel "Warum Du nicht diszipliniert sein musst": Entschlossene Frau: ©Shutterstock: shutterstock_327173165-300x200, Mann isst Fast Food: @123RF