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SERIE "Erfolg beginnt im Kopf" - Teil 1/3: Disziplin bringt Dich nicht weiter

Wer beharrlich seine Ziele verfolgt, gilt als diszipliniert. Disziplin ist angeblich unentbehrlich für Erfolg. Doch die Vorstellung von Disziplin und Erfolg ist eigentlich eine unnötige Blockade.

 

Sie wird immer noch verherrlicht ohne Ende – die gute, alte Disziplin. Menschen, die beharrlich ihre Ziele verfolgen, selten aus ihren ‚vernünftigen’ Gewohnheiten ausbrechen und sich nicht vom Weg abbringen lassen, gelten als äußerst diszipliniert. Es sind diejenigen, die sich das Rauchen abgewöhnen, regelmäßig zum Sport gehen, dem Junk-Food oder Alkohol grundsätzlich entsagen, immer pünktlich ihre Steuererklärung abgeben und konsequent ihre berufliche Karriere verfolgen ... während man selbst es hält wie Mark Twain:

 

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft“

 

Gehörst Du auch zu denjenigen, die denken, mit genügend Disziplin kann man jede Herausforderung meistern? Ein fataler Irrglaube. Wer so denkt, gibt sich in der Konsequenz nämlich selbst die Schuld am Scheitern. Hast Du in der Vergangenheit schon mal vergeblich probiert, abzunehmen – und diese Erfahrung als „Versagen“ bewertet? Folgten Frust und Hilflosigkeit im Vergleich mit anderen, die mit dem Vorhaben erfolgreich waren?

 

Wie schaffen sie es, konsequent am Ball zu bleiben? Woher nehmen sie diese ominöse Extra-Portion Energie, nach dem Feierabend noch ins Training zu gehen? Wie bewältigen sie ihren Stress neuerdings ohne Zigaretten? Wie können sie den leckeren Burger mit Pommes links liegen lassen? Wie verkneifen sie sich den Cocktail am Samstagabend?

 

Die Antwort ist etwas ernüchternd: sie tun es nicht.

 

Sie haben keine Extraportion Energie für Sport nach einem neunstündigen Tag im Büro. Sie verkneifen sich Burger, Pommes und Cocktail nicht. Der Unterschied ist: sie müssen sich nicht quälen, denn sie versprechen sich wahrscheinlich einen Mehrwert von ihren Entscheidungen und empfinden sie somit als Gewinn. Frag mal einen Veganer, woher er die Disziplin nimmt, täglich auf Fleisch zu verzichten. Er wird Dich wahrscheinlich erstaunt ansehen und antworten, dass er seine vegane Kost nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung empfindet. Das ist für überzeugte Fleischesser nicht nachvollziehbar. Aber es sind eben auch überzeugte Fleischesser!

 

Es ist ganz einfach:

 

Wenn Du nicht hinter einer Sache stehst und Dich innerlich dagegen sträubst, brauchst Du Selbstdisziplin, um sie durchzuziehen.

 

Wenn Dich eine Sache begeistert und Du vom Mehrwert für Dich überzeugt bist, hast Du mehr als genug Antrieb von innen, damit Dein Vorhaben zum Selbstläufer wird.

 

Wenn Du Dir etwas Neues vornimmst, was Deinem bisherigen Lebensalltag Einiges abverlangen könnte, frage Dich zunächst: will ich das wirklich? Bin ich auch fest davon überzeugt, dass ich es erreichen kann? Ein Ziel zu haben ist gut. Doch dieses Ziel in realistische, gut umsetzbare Schritte im Alltag zu organisieren, ist noch besser. Denn wer ein Ziel hat, aber an sich zweifelt oder nicht weiß, wie er vorgehen soll, ist genauso verloren, wie jemand, der gar kein Ziel hat. Wie Du über Dein Vorhaben und Dich selbst denkst, ist ausschlaggebend dafür, wie Du damit umgehen wirst.

  

Disziplin ist ein Verhalten, kein angeborenes Merkmal.

Deine Gedankenwelt legt den Grundstein dafür, ob Du mit Deinem Vorhaben Erfolg haben wirst oder nicht. Das gilt für Deine berufliche Karriere oder eine geplante Ernährungsumstellung, das Vorhaben, mit dem Rauchen aufzuhören oder mit Sport anzufangen. Nichts ist unmöglich.

 

Wir können es uns aber durch die falsche, innere Einstellung unnötig schwermachen. Zum Beispiel durch den Fehler, sich mit dem Begriff „diszipliniert“ oder „undiszipliniert“ zu identifizieren. Wenn sich jemand in letztere Kategorie einordnet, baut er eine kontraproduktive Blockadehaltung auf: er geht sein Vorhaben gar nicht erst an aufgrund der Überzeugung dass ihm eh „die nötige Disziplin fehlt“, um es dauerhaft durchzuziehen.

 

Wer sich mit Disziplin oder Disziplinlosigkeit identifiziert, ist festgefahren.

 

Dabei hilft ein schlichter Perspektiv-Wechsel: Disziplin ist keine unveränderliche Größe, mit der man geboren wird, so wie blaue Augen oder ein hitziges Gemüt. Disziplin gehört nicht zur Persönlichkeit, sondern ist ein situatives Verhalten: man ist nicht diszipliniert, sondern man verhält sich diszipliniert. Mit diesem perspektivischen Wechsel kann man sich von den Fängen der Disziplin befreien, denn sie ist durch die innere Einstellung zu einer Sache veränderbar.

 

Selbstdisziplin ist nichts anderes als ein Verhalten. Jedem Verhalten liegt ein Motiv zugrunde. Deshalb kann man (s)ein Verhalten jederzeit ändern, indem man seine innere Einstellung ändert.

 

Mach Dich also frei von der Vorstellung, ein disziplinierter oder undisziplinierter Mensch zu sein. Im Kern entscheidet Deine innere Einstellung zu den Dingen darüber, ob Du Dich für eine Sache ins Zeug legst (dich diszipliniert verhältst) oder Dich lieber davor drückst (undiszipliniert verhältst).

 

Erfolgreiche Menschen haben eine positive, innere Einstellung zu ihrem Vorhaben. Sie haben ihren Vorsatz selbst entwickelt, er wurde ihnen nicht von Eltern, Vorgesetzten oder Freunden aufgedrängt. Sie kennen ihr Ziel und sie geben ihm eine gewisse Bedeutung und entsprechendem Raum in ihrem Leben. Um es zu erreichen, entwickeln sie Grundsätze für ihren Lebensalltag, die sie ihrem Ziel schrittweise näherbringen. Sie halten sich bedingungslos an ihre Grundsätze, weil sie sich von der Zielerreichung einen Mehrwert für ihr Leben versprechen. Wer eine feste Absicht für sich gefunden hat, findet mit Leichtigkeit Wege, diese Absicht zu verfolgen und sucht sich – bewusst oder unbewusst – eine eigene Erfolgsstrategie (und wer sich damit schwertut, kann immer noch einen Coach engagieren).

 

>>Beispiel:

 

Alma zahlt ihre Rechnungen immer pünktlich und hat niemals mit Mahngebühren zu tun. Babsi schiebt Zahlungen so lange auf, bis Inkassoverfahren drohen. Die meisten Menschen würden Alma jetzt als diszipliniert bezeichnen und Babsi nicht.

 

Was steht aber tatsächlich hinter ihrem Umgang mit Rechnungen? Ist es wirklich die Fähigkeit, sich durch unangenehme Dinge durchzubeißen? Oder gibt  es vielmehr ein handfestes Motiv? In Wirklichkeit hat Alma vielleicht panische Angst vor Schulden. Oder es ist ihr extrem wichtig, für Außenstehende als zuverlässige Person zu gelten. Deshalb hat sie sich angewöhnt, eine Rechnung sofort zu bezahlen, sobald sie sie erhalten hat. Es gehört für sie zusammen, so wie das morgendliche "aufstehen - sofort Zähne putzen“. Es ist untrennbar verbunden: „Rechnung erhalten – sofort bezahlen“. Um das jederzeit möglichst schnell erledigen zu können, hat sie sich von ihrer Bank Online- und Telefonbanking einrichten lassen, um sich den Weg zur Bankfiliale zu sparen.

 

Babsi hat wahrscheinlich einen entspannteren Umgang mit Mahnungen. Vielleicht verdient sie so viel, dass ihr Mahngebühren nichts ausmachen. Oder es ist ihr völlig egal, ob Außenstehende sie für zuverlässig halten. Oder sie ignoriert ganze gerne und möglichst lange die Kosten, die ihr durch ihren Lifestyle entstehen. Wer weiß das schon...

 

Es ist deutlich geworden: der entscheidende Unterschied zwischen Alma und Babsi ist die innere Einstellung. Ihre individuellen Gedanken zum Thema Mahnungen und Inkasso-Verfahren resultieren in unterschiedlichem Verhalten im Umgang mit Rechnungen. Almas innere Einstellung hat sie dazu gebracht, sich eine zweckdienliche Gewohnheit anzueignen und sich diese Gewohnheit im Alltag durch Internetbanking leichtgemacht. Babsi fehlt diese innere Antriebsfeder und deshalb hat sie keine entsprechende Routine für eingehende Rechnungen entwickelt.

 

Menschen sind träge Gewohnheitstiere.

 

Es steht außer Frage, dass die Entwicklung neuer Gewohnheiten anstrengend ist und seine Zeit braucht. Umstellungen sind harte Arbeit; egal ob im Großen oder im Kleinen. Es ist alles andere als leicht, neue Vorhaben konsequent anzugehen. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und tun uns schwer mit Veränderungen. Manchmal sind sie jedoch die Mühe wert, vor allem dann, wenn allein der Gedanke daran uns mit Freude erfüllt und die Idee uns begeistert. Mühe ist jedoch nicht gleichzusetzen mit Qual. Niemand möchte sich permanent zu etwas „überwinden“. Wir alle wollen Spaß haben. Und das geht: wer eine innere Überzeugung hat, wird niemals das Gefühl haben, sich überwinden zu müssen, sonder mit Freude bei der Sache bleiben.

 

Wenn ein Vorhaben Umstellungen erfordert, die uns immer wieder und dauerhaft schwerfallen, sollten wir die Schuld nicht auf fehlende Disziplin schieben, sondern vielmehr unsere innere Einstellung zur Sache überdenken.

 

Möglicherweise gibt es hier ganz andere Baustellen, die zunächst in Angriff genommen werden sollten: das Ziel ist vielleicht nicht klar genug formuliert oder es flößt uns zu große Angst ein, um es konkret anzugehen, oder das Vorhaben ist nicht wirklich unser Wunsch sondern der Wunsch unseres Partners - oder das Vorhaben ist uns in Wahrheit weitaus weniger wichtig, als wir zugeben wollen..?

Fazit

Die allgemeine Auffassung von Disziplin und Disziplinlosigkeit ist die einer Eigenschaft, die man entweder hat oder eben nicht hat. Diese Einstellung führt zu unnötigen Blockade-haltungen und mentalem Stress. Wer denkt, dass er diese Eigenschaft nicht hat, versucht in der Folge erst gar nicht, seine Vorsätze konsequent anzugehen. Dabei sind „disziplinierte“ Menschen sind nicht wirklich willensstärker als andere, sondern schlichtweg begeistert von ihrem Ziel und fokussiert auf die Strategie.

 

Für die Erreichung der eigenen Ziele ist keine Selbstdisziplin notwendig, sondern die richtige, innere Einstellung. Wer an sich und sein Vorhaben glaubt, empfindet die dafür notwendigen Veränderungen nicht als Einschränkung, Verzicht oder Qual, sondern entwickelt mit Leichtigkeit Strategien und Entscheidungshilfen für seinen Alltag. Ist das langfristige Ziel in kleinen Schritten organisiert, die dauerhaft und problemlos im Alltag durchführbar sind, ist Erfolg beinahe unvermeidlich – ganz ohne Überwindung. 

 

©Ayeshe Nawal Hercules I Personal Trainerin & Ernährungscoach Darmstadt 


Bildquellen im Artikel "SERIE 'Erfolg beginnt im Kopf"'- Teil 1/3: Disziplin bringt Dich nicht weiter": ©Shutterstock: shutterstock_327173165-300x200, (entschlossene Frau), ©Fotolia: Cut_Fotolia_21974472_XS-300x200 (Frau mit Schokoladen-Fingern), 240_F_138946352_sV8PnPx1pNCHRiBfkFDMZnJzhIF0xnnf (Frau ballt Fäuste im Sonnenuntergang)