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SERIE "Erfolg beginnt im Kopf" - Teil 3/3: Wenn Du auf Motivation setzt, hast Du verloren

Motivation gilt als Schlüsselqualifikation für schwierige Vorhaben. Das berühmte "Motivations-Tief" wird deshalb gerne zum Schuldigen erklärt, wenn Pläne mal wieder aufgeschoben werden. Kann man bei langfristigen Zielen überhaupt permanent motiviert bleiben oder setzen wir auf das falsche Pferd?

Motivation ist die einzige, effektive Antriebsfeder für jegliche Form von Veränderung. Das stimmt soweit. Mit ausreichender Motivation ist man bereit, Berge zu versetzen (oder zumindest, mal die eigene Komfortzone zu verlassen). Allerdings wird der Begriff bzw. das Prinzip Motivation im geläufigen Sprachgebrauch vollkommen überschätzt und die prinzipielle Bedeutung falsch verstanden[1].

 

Aus irgendeinem Grund wird vorausgesetzt, dass für den reibungslosen Start eines fantastischen Vorhabens erstmal eine Schubkarre voll Motivation angekarrt werden muss. Diese darf auch im Laufe der Zeit auf keinen Fall verloren gehen, weil ohne sie nichts mehr erreicht werden kann[2]. Das führt dazu, dass bei stagnierenden Projekten häufig Sätze fallen wie „Dafür fehlt mir die Motivation“, „Ich bin einfach nicht motiviert genug“ und „Meine Motivation hat mich verlassen“.

 

Solche Aussagen sind falsch - und absolute Erfolgs-Verhinderer.

 

#1 Das „Warum“ analysieren

Motivation ist weder eine angeborene Eigenschaft, noch ist sie eine Art Schicksal, das einen in einem glückseligen Moment zufällig ereilt. Wer darauf wartet, dass das Schicksal oder der Weihnachtsmann mit einem schönen, großen Haufen Motivation vorbei kommt, damit man endlich in die Gänge kommt, der kann warten, bis er alt und grau wird.

 

Eine bittere Wahrheit über Motivation lautet: sie ist unzuverlässig. Das heißt, sie kommt und geht, wann es ihr passt. Das hat jeder bereits erlebt - und trotz dieser allgegenwärtigen Erfahrung wird naiverweise erwartet, dass sich die Motivation beim nächsten Projekt beständig zeigen wird.

 

Das wird sie nicht! Es macht also weder Sinn, auf Motivation zu warten, noch sie als Grundlage für das eigene Durchhaltevermögen misszuverstehen. Diese Einstellung führt nur dazu, dass Vorhaben auf die lange Bank geschoben oder abgebrochen werden.

 

Motivation bedeutet nicht „der Moment, in den alles Unangenehme plötzlich unfassbar großen Spaß macht“, sondern schlicht und einfach „Triebkraft“[1].

 

Motivation ist nichts anderes als der Grund, weshalb wir Dinge tun. Angenehme als auch unangenehme. Der Begriff bezeichnet das Motiv, das wir haben, uns (mit mehr oder weniger Tatendrang) um etwas zu bemühen. Wenn sich ein Angestellter monatlich etwas vom Lohn abzwackt, um sich einen teuren Urlaub leisten zu können, ist er kein hochmotivierter Sparfuchs, sondern er hat attraktives Ziel, das ihm die aktuelle Entbehrung wert ist. Wenn sich ein Hochleistungssportler nach einem Unfall täglich im Training unter Schmerzen quält, seinen alten Leistungsstand zurück zu erarbeiten, ist er kein hochmotivierter Masochist, sondern er hat ein attraktives Ziel, das ihm die Mühe wert ist.

 

Wer etwas in seinem Leben erreichen willst, braucht keinen Motivationsboost, sondern einfach nur einen guten Grund.

#2 Einen Plan entwickeln

Der Sparer und der Hochleistungssportler haben ein starkes Motiv. Der Weg ans Ziel ist für beide eher unangenehm. Trotzdem knicken sie in schwierigen Momenten nicht ein. Was sie durchhalten lässt, ist ein Plan. Der Sparer hat sich höchstwahrscheinlich ausgerechnet, wie viel Geld er über welchen Zeitraum zurücklegen muss, um sich seinen Traumurlaub verwirklichen zu können. Er hat also einen Sparplan. Der Hochleistungssportler hat höchstwahrscheinlich kalkuliert, wie viele Ertappen zu setzen sind, bis er sich an seinen alten Leistungsstand zurück gearbeitet hat. Er hat also einen Trainingsplan.

 

Beide haben also eine Vorgehensweise, die sie (über einen bestimmten Zeitraum hinweg) unweigerlich zum Ziel führt.

 

 

 

Wenn Du etwas wirklich willst, was hält Dich auf? Eben. Dir fehlt nicht diese ominöse Motivation, Dir fehlt ein guter Grund, um endlich Gas zu geben. Also liegt der Schlüssel für Veränderung in dem Selbstbewusstsein, was man möchte (Zielsetzung), wo man steht (aktuelle Lage) und wie man vorgehen wird (Planung).

 

„Ich bin nicht motiviert genug“ ist genau genommen einfach die verschleierte Version von „Ich habe keine genaue Vorstellung von meinem Ziel und/oder bin zu bequem, um mir einen Plan für mein Ziel zu entwickeln“.

 

Woran liegt es, dass Einige motiviert sind, eine Sache zu tun – und Andere nicht? Es ist keine glückselige Eigenschaft, sondern lediglich die Strahlkraft des Motivs. Für hohe Prioritäten ist man eher bereit, gewisse Anstrengungen zu unternehmen. So einfach ist das. Der Eine hört nach 20 Jahren Kettenrauchen von heute auf morgen mit dem Rauchen auf. Der Nächste scheitert auch am zwanzigsten Versuch. Vergleicht man ihre Mentalität, so hat der erste Raucher vielleicht beschlossen, dass er seinen Kindern ein gutes Vorbild sein möchte und dafür pronto zum Nichtraucher werden muss. Der zweite Raucher wurde von seiner Partnerin gedrängt, das Rauchen aufzugeben, findet sich selbst aber eigentlich ziemlich cool mit Kippe im Mundwinkel und geht deshalb das Vorhaben "Nichtraucher" so halbherzig an, dass er wiederholt scheitert.

 

Es wird also deutlich: ein Ziel sollte aus eigenem Antrieb formuliert werden. Wenn Lehrer, Eltern, Vorgesetzte, Freunde oder Ärzte uns erzählen, was gut für uns ist, beeindruckt uns das erfahrungsgemäß wenig. Nur wenn das Vorhaben mit den eigenen Prioritäten übereinstimmt, entsteht die Bereitschaft, etwas zu tun.

 

Motivation entsteht von innen (intrinsisch).

 

Ob das Ziel wirklich das eigene Ziel ist, erkennt man daran, ob es Einen begeistert - oder man sich selbst permanent in den Hintern treten muss, um voranzukommen. Wenn man etwas wirklich will, wird es zum Selbstläufer. Wer sich schwertut, übersieht höchstwahrscheinlich einige mentalen Aspekte, um sich dringend zuerst gekümmert werden sollte. Zum Beispiel um die Frage, was wirklich wichtig ist ...

 

#3 Gewohnheiten einüben

Als starker Partner an der Seite der Motivation steht die Willensstärke. Gemeinsam gelten sie als ein unschlagbares Dream-Team, das einfach jede Herausforderung meistert. Doch auch hier gibt es einen Haken:

 

Willensstärke ist endlich.

 

Sie erschöpft sich. Und zwar nicht erst im Laufe von Jahren oder Wochen, sondern im Laufe eines einzigen Tages.

 

Die Hirnregion, die für den Willen zuständig ist, ist der präfontale Cortex. Dort sitzt die Entscheidungsfähigkeit. Dort wird den ganzen Tag über situationsangemessene Handlungssteuerungen entschieden und dort werden emotionale Prozesse reguliert. Sämtliche To-Do’s, Entscheidungs- und Handlungsprozesse des Tages  setzen der Hirnregion zu. Abends ist sie einfach erschöpft. Wer dann neu entscheiden muss, ob er noch trainieren gehen oder statt der üblichen Zigarette mit neuen Alternativen zu Stressabbau experimentieren möchte, braucht beinahe übermenschliche Kräfte, um hier noch „willensstark“ zu sein.

 

“Motivation bringt Dich in Gang. Gewohnheit hält Dich in Schwung.”

– Jim Rohn, US-amerikanischer Motivationstrainer -

 

Das Geheimnis sind tatsächlich Gewohnheiten. Gewohnheiten sind Routinen. Routinen entlasten das Gehirn, weil es die Handlungsabläufe schon kennt. Jede Handlung ist vergleichbar mit einem Theaterstück, in welchem die verschiedenen Gehirnregionen die Akteure sind. Die Akteure lernen, als Team zu agieren und sich aufeinander einzuspielen. Je öfter das Stück (der Alltag) in der gleichen Weise wiederholt wird, desto reibungsloser läuft es ab. Die Szenen (Gewohnheiten und Routinen) werden von den Akteuren entwickelt, eingeübt und perfektioniert. Das erleichtert den Tagesablauf und macht im Gehirn Kapazitäten frei für wirklich wichtigere Entscheidungen. Deshalb mag das Gehirn Routinen und läuft äußerst gerne und zum größten Teil des Tages auf Autopilot.

 

 Das Theaterstück einüben

 

Gewohnheiten und Routinen sind neurologisch gesteuerte Prozesse. Wie gut und stark unsere Neuronen für eine Verhaltensweise miteinander verbunden sind, legen wir selbst durch unser Verhalten fest: je öfter wir etwas tun, desto besser sind die entsprechenden Nervenbahnen miteinander verbunden. Die Nervenbahnen gleichen Wegstrecken, die je nach Benutzung mehr oder weniger gut ausgebaut sind.

 

Die Nervenverknüpfungen für Handlungen, die wir selten erledigen, gleichen Feldwegen. Sie sind schmal und holprig und wenn wir uns nicht stark darauf konzentrieren, laufen wir Gefahr, hinzufallen. Handlungen, die wir regelmäßig ausführen wie beispielsweise Zähneputzen oder Fahrrad fahren, gleichen mehrspurigen Autobahnen. Sie erfordern wenig Konzentration und werden nebenher beinahe unbewusst erledigt.

 

Mach aus dem holprigen Feldweg eine mehrspurige Autobahn - durch beständiges Wiederholen.

 

Wer sich dieses Prinzip zunutze macht, der braucht weder Disziplin noch einen Motivationsschub oder Willenskraft. Mit einer Vorgehensweise für sein Ziel befindet man sich auf dem absoluten Königsweg zum Erfolg. Der Rest ist tatsächlich nur eine Frage der Zeit.

Fazit

 

1. Motivation kommt von Motiv

 

Wer auf Motivation von außen wartet, um ein Vorhaben in Angriff zu nehmen, und sein Durchhaltevermögen mit ihr verbindet, ist zum Scheitern verurteilt.  Motivation ist - ganz nüchtern betrachtet - nur der Beweggrund, der zur Handlungsbereitschaft führt, das Motiv, die Dinge anzupacken. Ein wirksames Motiv kann nicht von außen kommen. Es muss ein intrinsisch entstandenes, klares Bild der persönlichen Zielsetzung sein - je präziser, desto besser.

 

2. Motivation ist unbeständig

 

Es ist ziemlich sicher, dass die Motivation auf dem Weg zur Verwirklichung seiner Ziele nachlässt. Manchmal sortieren sich Prioritäten neu und was zu Beginn so wichtig erschien, erscheint zeitweise weniger wichtig. Damit in solchen Phasen des "Motivanions-Tiefs" das Vorhaben nicht über den Haufen geworfen wird, braucht es unbedingt einen Plan. Ein Plan formuliert eine klare Strategie, die vorgibt, wie im Alltag vorzugehen ist. Die Strategie macht klare Angaben, welche Alltagshandlungen nötig sind, um das Ziel zu erreichen. Wer es schafft, Routinen zu entwickeln, bevor das Motivanions-Tief kommt, der ist auf der sicheren Seite. Dauerhaftigkeit ist hier Trumpf. Wenn der Moment kommt, in die Motivation unklar wird, das Warum schwammig wird, müssen Routinen bereits die Regie übernommen haben. Dann sind keine bewussten Entscheidungen nötig, sondern das eingeübte Theaterstück läuft, bis das Warum wieder erkennbar wird.

 

3. Ein echtes Motiv entsteht aus Ehrlichkeit zu sich selbst

 

Wer in seinem Leben bereits wiederholt an Vorhaben gescheitert ist, könnte einen der obergenannten Punkte übersehen haben. Denn seine Vorhaben zu erreichen, ist immer eine Frage der Einstellung: Erfolg wird im Kopf gemacht. Gerne wird die Schuld auf die Umstände geschoben: auf die Arbeit, die Familie, die Zeit, die Gene, das Wetter ... wer schon länger auf der Stelle tritt, sollte nicht fehlender Motivation die Schuld geben, sondern zu seiner Entscheidung stehen, in Wahrheit alles lassen zu wollen, wie es ist.

©Ayeshe Nawal Hercules I Personal Trainerin & Ernährungscoach Darmstadt

 


[1] Vergleiche die Ausführungen der grandiosen Nicole Jäger, in: Jäger, N. (2016)4: Die Fettlöserin. Eine Anatomie des Abnehmens, S. 258 ff.


Bildquellen im Artikel "SERIE 'Erfolg beginnt im Kopf' - Teil 3/3: Wenn Du auf Motivation setzt, hast Du verloren": ©Unsplash: Austin Chan (Leuchtsignal auf Mauerwerk), Thought Catalog (Notizbuch am Arbeitsplatz), Alan Ko (Frau auf Bettkante), Scott Webb (Frau trainiert mit Battle Ropes)