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Das Detox-Paradox

Entschlacken, entgiften, heilfasten, abnehmen. Traditionell ist das Winterende in unseren Breitengraden die Zeit des Fastens und des Gesundheitsbewusstseins. Doch einige Detox-Maßnahmen sind nicht nur überflüssig, sie können sogar das Gegenteil dessen bewirken, was sie versprechen. Und ihr eigentlicher Vorteil liegt ganz woanders, als man vermutet.

„Detox“ – die Abkürzung des englischen Wortes „Detoxification“ - ist ein Sammelbegriff geworden für entgiften, entschlacken und den Stoffwechsel anregen.

 

Apotheker- und Drogeriemarktregale quellen über von einem riesigen Angebot an kostspieligen "Entgiftungsprodukten". Und dann gibt es noch diese exklusiven Hotels für teure Hungerkuren auf hohem Niveau. Mit Darmspülungen, versteht sich.

 

Die aktive Entgiftung des Körpers ist keine neue Erfindung: Bereits seit 2000 Jahren sind solche Maßnahmen Bestandteil im indischen Ayurveda oder der traditionellen chinesischen Medizin. Und seither haben Pestizide, Farbstoffe, Weichmacher und Feinstaub wahrscheinlich eher zu- als abgenommen.

 

Der moderne Lebensstil beinhaltet neben Nikotin und Alkohol außerdem nicht selten unnötig große Mengen Fertiggerichte, bestehend aus Farbstoffen, Geschmacksverstärkern, Schaumverhütern, Aromen, Konservierungs- und Säuberungsmitteln. Das klingt auch alles irgendwie "belastend". Wenn selbst Bio-Gemüse in Plastik verpackt und Wasser in PET-Flaschen abgefüllt wird, verwundert es nicht, dass Mikroplastik kürzlich auch im menschlichen Stuhl nachgewiesen wurde[1].

 

Können Detox-Produkte oder Detox-Kuren Abhilfe schaffen?

 

Detox-Produkte

 

Heute werden unter dem Begriff „Detox“ die unterschiedlichsten Methoden zusammengefasst, die dem Körper helfen sollen, Schadstoffe und sogenannte „Schlacken“ loszuwerden. Stoff für Diskussion geben dabei vor allem diese beiden Tatsachen:

 

1. „Schlacken“ sind bislang wissenschaftlich nicht definiert und ihre Existenz konnte nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden

 

2. der Begriff „Detox“ ist für Produkte in Deutschland nicht geschützt

 

Es existiert also keine einheitliche Definition, welche Gifte im Körper entfernt werden sollen. Genussgifte, schlechte Ernährung, Medikamente, Umwelt- und Agrargifte oder Toxine – ja, alles einmal raus, bitteschön! Und so kann der Begriff „Detox“ von jedem Hersteller für sämtliche Produkte verwendet werden, auch wenn es sich um profane Dinge wie Waschen, Bürsten oder Tee trinken handelt[2].

 

Weshalb geben Verpackungsangaben keine Informationen über die "Gift"-Stoffe , welche bekämpft werden sollen? Mit einer Angabe könnte man einen Vorher-Nachher-Vergleich über die vorhandenen Mengen im Körper machen. Wahrscheinlich soll die offizielle Bescheinigung der Wirkungslosigkeit verhindert werden. Eine Untersuchung aus dem Jahre 2009 ergab, dass nicht mal Hersteller wissen, was ihre Produkte bewirken sollen. Keine der befragten 15 Firmen konnte Belege für die Wirksamkeit oder die Sicherheit ihrer Produkte vorlegen. Sie konnten nicht einmal die Gifte benennen, die angeblich mit ihren Produkten entfernt werden sollen.

 

Heilfastenkuren

Kommen wir zu den noch beliebteren Detox- oder Heilfasten-Kuren. Diese bewirken laut Anbieter nicht nur die Ausleitung von Schadstoffen (Toxine), sondern auch eine Anregung des Stoffwechsels und der Fettverbrennung. Deshalb werden Heilfasten-Kuren gerne auch als Abnehm-Kur angewandt*.

Voraussetzungen für die Wirksamkeit von Detox-Kuren sind also die Annahmen, dass ...

 

- der Körper Toxine ansammelt

- stark einschränkende Diäten diese eliminieren können

- die Entgiftungsorgane in einer Fastenkur optimal arbeiten können

- der Stoffwechsel und die Fettverbrennung angeregt wird

 

Fasten hat zweifelsfrei gesundheitliche Vorteile und dadurch auch eine Berechtigung. Doch bei genauerer Betrachtung sind es nicht die Versprechen, mit denen geworben wird. Betrachten wir diese Versprechen im Einzelnen einmal genauer.

  

*Wer Heilfasten, um von den zahlreichen, positiven Auswirkungen des Fastens auf das psychische System zu profitieren, soll sich in diesem Beitrag nicht angesprochen fühle. Die Kritik bezieht sich auf die genannten beworbenen Auswirkungen physischer Natur.

 

 

1. Ausleitung von Schadstoffen

Sammelt der Körper wirklich Toxine und ab wann sind sie schädlich? 

 

Gifte sind Stoffe, die in Organismen ab einer bestimmten, geringen Dosis einen Schaden zufügen: "Ab einem bestimmten Dosisbereich ist somit nahezu jeder Stoff als giftig (toxisch) einzustufen"[3] 

 

Bereits Paracelsus hat uns beigebracht, dass die Dosis das Gift macht. Toxine müssten sich also anhäufen, um uns zu schaden. Doch so funktioniert der menschliche Körper nicht. Wir sind keine Lagerhalle, die irgendwann überfüllt ist, sondern stoffwechselnde Organismen.

 

Da der Körper über Entgiftungsorgane verfügt, kann ein gesunder Organismus verschiedene Schadstoffe durch beständigen Abbau vollständig „entsorgen“ . Unsere beteiligten Organe sind rund um die Uhr dabei, schädliche Substanzen chemisch unschädlich zu machen und aus dem Körper auszuleiten. Nieren, Leber und der Verdauungstrakt neutralisieren Gifte innerhalb weniger Stunden von selbst. Haut, Lunge, Lymphe und Galle helfen beim Abtransport. Stoffe, die in sehr hohen Dosen giftig werden (wie z.B. Vitamin A und Eisen), können sich also nur bei Organschäden ansammeln.

 

Unsere Organe entgiften uns seit tausenden von Jahren - und offenbar hat das immer ganz gut geklappt.

 

Ist Dein Team an Entgiftungsgsorganen tatsächlich einmal überfordert und müsstest Du wirklich akut und in großem Maße entgiften, würdest Du Dich mit Sicherheit im Krankenhaus wiederfinden (Stichwort Koma-Saufen, Medikamentenmissbrauch). Dort wird allerdings selten auf Detox-Tee und -Smoothies gesetzt, um das Problem zu lösen. Akute Vergiftungen sind medizinische Notfälle und sollten auch so behandelt werden. Schleichende oder chronische Vergiftungen können tatsächlich mit einer Umstellung des Lebensstils behandelt werden.

Wie unterstützen wir unsere Entgiftungsorgane am besten?

 

#1 Weniger Schadstoffe aufnehmen

 

Eine erste, offensichtliche Maßnahme wäre es natürlich, auf bekannte Schadstoffe und Genussgifte weitestgehend zu verzichten, was in einer Fastenkur der Fall ist. Es könnte sinnvoll sein, diesen Verzicht oder eine Art Maß-Halten auch nach der Fastenkur beizubehalten ... 

 

#2 Mehr trinken

 

Durchgeführt werden Detox-Kuren als mehrtägige / mehrwöchige Fastenkur, in der bis auf Gemüsebrühen und –säfte auf Nahrungsaufnahme verzichtet wird. Zusätzlich wird sehr viel Wasser getrunken. In Anbetracht der Tatsache, dass die meisten Menschen viel zu wenig trinken, könnten sie natürlich bereits durch die erhöhte Flüssigkeitsaufnahme während einer Heilfastenkur profitieren.

 

#3 Die Organe mit Nährstoffen versorgen

 

Hier kommt ein entscheidender Widerspruch: Paradoxerweise kann eine gut gemeinte Heilfastenkur unsere Entgiftungsorgane schwächen! Man kann in einer stark hypokalorischen Ernährung nämlich schnell in eine sehr ungesunde Unterversorgung Mikro- und Makronährstoffen, v.a. an Proteinen und Fetten geraten.

 

Gemüse allein gewährleistet keine vollständige Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen!

 

Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K beispielsweise können ohne entsprechende Fettsäuren im Körper nicht wirken. Ohne essenzielle Aminosäuren (Bestandteile von Eiweiß) kann der Organismus erkranken. Proteine werden - neben zahlreichen weiteren Vorgängen -  eben auch für den Aufbau von Organen benötigt. Eiweiße werden im Organismus täglich (!) zahlreich abgebaut und deren Bausteine ausgeschieden und müssen also beständig über die Nahrung ersetzt werden. Eine Detox-Kur kann den Körper also in eine Nährstoffmangel-Situation bringen, in welcher die Entgiftungsorgane nicht ihre volle Wirkung entfalten können. Die organische Entgiftung kann in einer Fastenkur also ineffizienter verlaufen als mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, die alle wertvollen Nährstoffe liefert.

 

2. Gewichtsabnahme und angeregter Stoffwechsel

 

Ja, mit einer täglichen Kalorienaufnahme von 500 bis 900 kcal aus Obst und Gemüse pro Tag verliert jeder gesunde, erwachsene Mensch an Gewicht. Deshalb nimmt man bei einer Fastenkur, die länger als drei Tage dauert, ab. Immer.

 

Doch der Gewichtsverlust ist nicht ausschließlich der Verlust von Körperfett:

  • weniger Essen bedeutet weniger Bewegung bedeutet einen herabgesetzten Gesamtenergieverbrauch (die Organe leisten weniger Verdauungsarbeit, es steht weniger Energie für Bewegung zur Verfügung, was träge macht und häufig die Alltagsbiegung zurück gehen lässt
  • während einer Nulldiät werden reichlich eiweißreiche Muskeln abgebaut, vor allem, wenn die Muskeln aufgrund mangelnder Bewegung nicht gebraucht werden. Der Körper kannibalisiert seine energiehungrige Muskulatur bereits nach sechs Tagen unter starker Kalorienreduktion (ohne Kraftsport). Bitter für alle, die hart und lange für ein ansehnliches Muskelkorsett trainiert haben...
  • ohne die Aufnahme von Kohlehydraten wird das Glykogen (die Speicherform von Kohlehydraten) innerhalb von 24 bis 48 Stunden ausgeschieden. Da Glykogen sehr viel Wasser bindet (etwa drei Gramm Wasser für die Bindung von einem Gramm Glykogen), entwässert man während einer hypokalotischene Ernährung schlichtweg sein Gewebe (der Effekt dauert nur so lange, bis wieder Kohlehydrate gegessen werden).
  • der Darminhalt wird geleert, was je nach Körpergröße und einem fünf bis sieben Meter langen Darm bis zu drei Kilogramm auf der Waage ausmachen kann.

Der Körper reagiert auf eine Fastenkur nicht selten wie auf eine Crash-Diät oder Hungersnot. Mit den üblichen Folgen: zunächst werden Wasser, Glykogen und Darminhalt ausgeschieden. Das sind auch diejenigen Kilos, die nach Beenden der Kur als erstes wieder auf der Waage sichtbar werden. Was anschließend als Gewichtsverlust übrig bleibt, ist leider auch abgebaute Muskelmasse.

 

Ohne kluge Exit-Strategie und langanhaltende Ernährungsumstellung nach der Kur droht auch hier der bekannte Jojo-Effekt.

 

Ein nicht zu eliminierender Dauerbrenner der Fitnessmythen ist die Behauptung, dass eine Fastenkur zu einer erhöhten Stoffwechselrate führt.

  

Der Stoffwechsel oder Metabolismus ist die Gesamtheit der stoffwechselnden Organe im Körper, also alle Vorgänge, die aus Nährstoffen durch chemische Umwandlung Hormone, Enzyme, Körpergewebe, Immunzellen oder Energie herstellen. Der Stoffwechsel beinhaltet also die Aufnahme, den Transport und die Umwandlung von aufgenommenen Nährstoffen im Körper.

 

Frage: wenn weniger Nährstoffe aufgenommen werden, wie kann dann mehr chemische Umwandlung stattfinden?

 

Fakt ist: Unsere metabolische Rate geht im Gegenteil nämlich in einer Fastenphase eher zurück als dass sie steigt.

 

3. Die eigentliche Wunderwirkung beim Fasten

Die meisten Versprechen der Heilfastenkuren sind leer. Doch hier kommt die gute Nachricht: Es gibt allerdings tatsächlich einen Prozess, der ausschließlich währen einer Fastenphase aktiviert wird:

 

die Autophagie.

 

Mit Autophagie wird ein Stoffwechselprozess auf Zeltebene bezeichnet, bei dem unser Körper „Zellabfall“ los wird. Der Begriff setzt sich aus dem altgriechischen autós „selbst“, phagein „fressen“ und cýtos „Zelle“ zusammen.

 

Die Autophagie ist ein Selbstreinigungsprozess der Zelle, quasi ein Recyclingprogramm, bei dem die Zelle sich selbst von eigenen überflüssigen Bestandteilen reinigt – von falsch gefalteten Proteinen bis zum Abbau ganzer Organellen, die ihre Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen. Dieser Reinigungsprozess ist ein Notfallsystem in Hungerperioden, da die Zeltbestandteile energetisch verstoffwechselt werden. Es ist tatsächlich ein lebenswichtiger Prozess für unseren Körper: So können entartete Zellen im Anfangsstadium, die sich potenziell zu Krebszellen entwickeln könnten, als auch bösartigen Bakterien eliminiert, und neue, gesunde Zellen gebildet werden.

 

Beim Heilfasten werden also tatsächlich Reinigungsprozesse angestoßen: Allerdings wird organischer Zellmüll aussortiert und keine von außen aufgenommenen Schadstoffe.

 

Die Autophagie wird von bestimmten Hormonen eingeleitet, wenn längere Zeit keine Nahrungsaufnahme stattfindet und die Verdauungsorgane ruhen. 

Häufiges, frequentiertes Essen hemmt diesen  Selbstreinigungsprozess und die Zelle „vermüllt“ regelrecht, wenn die Autophagie durch ständigen Energienachschub von außen verhindert wird.

 

Die Autophagie wird bereits nach 12 Stunden ohne Nahrungsaufnahme eingeleitet. Wer seine körpereigene Zellreinigung anregen möchte, der sollte also regelmäßige Essenpausen machen, z.B: über Nacht. Modelle des Intermittierenden Fastens scheinen da praktikabler und langfristig sinnvoller zu sein als eine zweiwöchige Phase der Enthaltung pro Jahr.

 

4. Gefahren und Nachteile von Fastenkuren

 

#1 Mentale Blockaden oder die Idee des "Quick Fix"

 

In einem Fitness-Blog sei ein Vergleich zu Sport und Training erlaubt. Welche der Optionen klingt sinnvoller:

 

OPTION 1: Du nimmst einmal jährlich an einem harten Bootcamp teil, in welchem Du mit mehreren intensiven Workouts körperlich stark herausgefordert wirst. Das tägliche Training ist eine Tortur, aber am Ende von zwei bis vier Wochen hast du echte Fortschritte gemacht und legst Dich zufrieden das restliche Jahr zurück auf das Sofa.

 

OPTION 2. Du bewegst Dich das ganze Jahr über moderat, aber regelmäßig und baust Dir starke Muskeln, ein stabiles Fitnesslevel und gesunde Gewohnheiten auf.

 

Es ist klar, worauf ich hinaus will: Was bringen zwei Wochen Fasten im Jahr, wenn der Körper die restlichen 50 Wochen des Jahres unter einer schlechten Ernährung, einem Zuviel an Schadstoffen und permanentem Bewegungsmangel leidet? Warum den Körper nicht dauerhaft von Schadstoffen zu verschonen und die Entgiftungsorgane optimal versorgen? Die Gefahr der Heilfastenkur ist mentaler Art: nämlich die Intention dahinter, einen schädlichen Lebensstil durch eine Fastenkur "mal eben schnell" wieder gut zumachen.

 

#2 Darmgesundheit

 

Heilfastenkuren empfehlen als Begleitmaßnhme nicht selten regelmäßige Darmspülungen.

 

Moment mal, Darm- was? Richtig, Spülungen.

 

Dem Arzt und Begründer des Heilfastens Otto Buchinger verdanken wir die veraltete, seltsame Idee aus den 30er Jahren, dass der Darm wie ein Ofenrohr regelmäßig gereinigt und „entschlackt“ werden sollte. Durch das Einleiten von Wasser in den Darm reinigt man damit angeblich Verschleimungen des Magen-Darm-Traktes. Diese Idee ignoriert die Tatsache, dass es in der gesamten medizinischen Literatur keinen einzigen dokumentieren Fall über eine solche Krankheit gibt[4].

 

Der Darm erfährt glücklicherweise gerade eine Renaissance an Aufmerksamkeit und Sympathie, sodass es im Jahr 2019 ausreichend aufklärende Literatur darüber gibt, dass unser Darm kein Objekt ist, das regelmäßig gereinigt werden müsste wie ein Zimmer oder ein Auto[4]. Der Darm ist kein starres, verdrecktes Ofenrohr, sondern ein geschmeidiger Muskel, der durch stetige Bewegung die Nahrung durchgleiten lässt und dessen Schleimhäute zusätzlich ein "Festhängen" von fremden Zellen verhindert.

 

Der Darm reinigt sich also ganz gut selbst und entleert sich bereits bei einem normalen, natürlichen Verdauungsvorgang rückstandslos. Als hochkomplexes und empfindliches Organ mit einem ausgeklügelte Zusammenspiel der Bakterien und der empfindlichen Schleimhaut ist der Darm außerdem sehr anfällig für Störungen von außen. Medizinisch unnötige Eingriffe wie selbst durchgeführte Darmspülungen können der empfindlichen Darmflora mehr schaden als nutzen und Mediziner warnen heute vor dieser Praktik.

 

Fazit

Der Körper hat ein ganz wirksames Team an Entgiftungsorganen, das sich rund um die Uhr effektiv um den Abbau schädlicher Substanzen kümmert. Ein gesunder Organismus verkraftet gelegentliche Völlereien auch ohne radikale Entgiftungskuren. Ob eine zusätzliche, äußerlich eingeleitete körperliche Entgiftung jedoch wirklich notwendig ist, kann nur individuell und in Rücksprache mit dem Hausarzt entschieden werden.

 

Nicht alle Detox-Maßnahmen sind gleichermaßen wirksam. Während Detox-Produkte wie Fußpflaster und Badeessenzen keine Wirkung haben, können Heilfasten- oder Detox-Kuren gesundheitliche Vorteile bringen. Der Verzicht auf Genussgifte und industriell verarbeitete Nahrung, die Entlastung der Verdauungsorgane und die höhere Trinkmenge sind an sich wahrscheinlich bereits eine signifikante Verbesserung des Lebensstils des modernen Stadtbewohners.

 

Heilfastenkuren sind allerdings nicht die beste Wahl für diejenigen, die am Abbau von Schadstoffen, einer erhöhten Stoffwechselrate und auf Fettabbau interessiert sind. Die stark eingeschränkte Nahrungsmittelzufuhr gewährleistet keine vollständige Versorgung mit essenziellen Fett- und Aminosäuren, wodurch die und Leistungsfähigkeit der Entgiftungsorgane während der Kur eher eingeschränkt ist. Der Stoffwechsel wird vielmehr verlangsamt als beschleunigt und bei dem erzielten Gewichtsverlust werden keine nennenswerten Mengen Fettgewebe abgebaut. 

 

Was eine Detox-Kur tatsächlich unterstützen kann, ist ein ganz besonderen Reinigungsprozess: die Autophagie. Dabei werden überflüssige Zellbestandteile ab- und neue Zellen aufgebaut. Die Autophagie kann allerdings durch regelmäßige Essenspausen oder Modelle des intermittierenden Fastens genauso eingeleitet werden und als fester Bestandteil des Lebensstils sogar bessere Wirkung entfalten, als durch eine einmal jährlich durchgeführte Kur. 

 

Fastenkuren können einen gesundheitsbewussten Lebensstil unterstützen, einen ungesunden Lebensstil aber nicht kompensieren. Was letztendlich über Sinn und Unsinn von Detox-Kuren entscheidet, ist die Intention dahinter: Wird sie als „Quick Fix“, als kurzfristige Rettungsmaßnahme anstatt langfristige Lebensumstellung praktiziert, sind die Vorteile genauso vorübergehend. Wer nach der Detox-Kur in alte Gewohnheiten verfällt und den ungesunden Lebensstil von früher pflegt, der kann sich diese Fastenkuren beinahe schenken.

 

Langfristig betrachtet ist es sinnvoller, den Körper dauerhaft von Schadstoffen zu verschonen, ihn mit wichtigen Nährstoffen und ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. Wem allerdings das „gute, leichte Gefühl“ während der Fastenkur hilft, anschließend grundsätzlich und langfristig gesünder zu leben, dem können solche Kuren als Kick-Start helfen.

 

 

 

©Ayeshe Nawal Hercules I Personal Trainerin & Ernährungscoach Darmstadt

 


[1] Umweltbundesamt Österreich (2018): Assessment of Microplastik concentrations in human stool. URL: http://www.umweltbundesamt.at/aktuell/presse/lastnews/news2018/news_181023/ (20.02.2019).

[2] Voice of Young Science (2009): The Detox Dossier

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Gift

[4] sciencebasedexamine.com, examine.com, 24.07.2018

[5] Enders, Giulia (2018)7: Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ. Berlin.    


Bildquellen im Text "Das Detox-Paradox": Mann im Schwimmbecken: Jakob Owens-696095 @unsplash, , Meditierende Frau unter Palmen: Jared Rice-388260 @unsplash, Mann trinkt aus Kanister: Henri Meilhac-266522 @unsplash, mit Gemüse gefüllter Teller: Maddi Bazzocco-1174056 @unsplash, Flamme im Dunkeln: Guido Jansen-400639 @unsplash, Sanduhr: Neonbrand-304490 @unsplash