• Ayeshe Hercules

Die Grenzen der Kalorientheorie

Aktualisiert: Jan 31

Wenn Gewichtszunahme ein einfaches „Energie rein- Energie raus“ – Spiel wäre, hätten wir heutzutage kein so großes Problem mit Übergewicht. Die Kalorienbilanz hat ihre Berechtigung, aber auch ihre Fehler. Wenn man die Kalorientheorie bei dem Projekt Körperfettabbau verwendet, sollte man die Schwachstellen kennen.




Offizielle Gesundheitsempfehlungen gegen Übergewicht lauten immer noch: „Weniger essen, mehr bewegen“. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Zahlreiche Studien und Erfahrung aus der Praxis lassen an diesem Konzept ernsthaft zweifeln.

Warum kann man mit einer drastische Kalorienrestriktion in einer Sackgasse landen?

Warum gibt es tatsächlich diese Menschen, die täglich mehr essen als sie rechnerisch verbrauchen, und dabei trotzdem ihr Gewicht halten?


Die Kalorientheorie


Die Kalorientheorie geht vom Gesetz der Thermodynamik aus, das besagt, dass Energie in einem geschlossenen System unverändert bleibt. Daraus leitet sich für das Körpergewicht ab:

  • Energieaufnahme = Energieverbrauch: Gewichtserhalt

  • Energieaufnahme < Energieverbrauch: Gewichtsverlust

  • Energieaufnahme > Energieverbrauch: Gewichtszunahme

So weit, so bekannt - aber leider auch so unvollständig.

Manko #1: Menschen sind Biologie, nicht Mathematik


Dieses theoretisch-physikalische Prinzip klingt zunächst logisch und trifft grundsätzlich auch zu. Doch der menschliche Organismus ist nicht ausschließlich Physik, sondern vor allem Biologie. Er ist nicht vergleichbar mit einem einfachen Verbrennungsofen.

Wir verbrennen Energie nicht. Wir metabolisieren sie.

Er ist vielmehr ein komplexes System aus Enzymen, Hormonen und Regelkreisläufen, deren Aufgabe es ist, den Organen Energie zuzuteilen und alle Körperfunktionen im gesunden Bereich aufrecht zu erhalten. Kalorien zu zählen ist eine Methode, die Schwachstellen beinhaltet.


Gehen wir für Gewichtsabnahme ein Energiedefizit ein, ohne die biochemischen Anforderungen des Körpers zu berücksichtigen, passt sich der Körper der neuen Kalorienzufuhr an. Er beginnt, Energie auf folgende Weise einzusparen:

  • Gewebe (Fett und Muskeln) wird abgebaut

  • die Stoffwechselvorgänge werden verlangsamt

  • die Körpertemperatur wird gesenkt

  • die Hormonproduktion wird gedrosselt

  • die kognitive Leistungsfähigkeit wird eingeschränkt

  • der Grundumsatz verringert sich

Manko #2: eine Kalorie ist eine Kalorie?


Eine Kalorie ist eine Einheit für Energie und damit sind alle Kalorien rechnerisch gleichwertig, so wie alle Zentimeter gleich sind. Doch verschiedene Lebensmittel liefern unabhängig von ihrem Energiegehalt verschiedene Nährstoffe. Diese Nährstoffe lösen unterschiedliche Reaktionen in unserem Körper aus, je nachdem wie wertvoll sie sind. Deshalb bezeichnet man Nahrungsenergie ohne Mikronährstoffe als "leere" Kalorien.

100 Kalorien aus Bananen sind für unseren Körper nicht das gleiche wie 100 Kalorien aus einem Snickers.


Essen ist Information für unseren Körper. Er registriert ganz genau, wie viele wichtige Nährstoffe in dem "Brennmaterial" stecken, die wir ihm über die Nahrung zuführen. Deshalb ist die Nährstoffdichte eines Lebensmittels mindestens ebenso relevant wie die Kaloriendichte, wenn nicht sogar wichtiger.

Manko #3: Kalorienangaben sind Durchschnittswerte


Brennwerte können exakt beziffern werden, sofern man unter Laborbedingungen arbeitet uns misst. Außerhalb des Labors sind sie lediglich ein Schätzwert.


Das gilt für die Kalorien, die ein Lebensmittel enthält genauso wie für den Kalorienverbrauch einer Person.

Es ist ohne Atemgasmessungen unmöglich, den Kalorienverbrauch einer Person exakt zu ermitteln. Sämtliche mathematische Berechnungsformeln, so durchdacht und komplex sie auch sein mögen, sind immer nur eine Annäherung an den tatsächlichen Wert.


Ärzte, Trainer und Coaches arbeiten zwar mit Formeln, beobachten aber die Reaktionen des Körpers und nehmen Anpassungen vor, um eine funktionierende Abnehmstrategie zu entwickeln.


Auch bei Lebensmitteln ist es unmöglich, den genauen Kaloriengehalt zu ermitteln.

  1. Kalorienangaben auf industriell verarbeitete Nahrungsmitteln sind im Schnitt zu 10% ungenau

  2. Naturprodukte unterliegen natürlichen Schwankungen im Kaloriengehalt

Zwei Äpfel die sich in Züchtung, Herkunft, Sonnenbestrahlung und Erntezeit unterscheiden, liefern unterschiedliche Zucker- und Vitaminanteile.

Jede Kalorientabelle gibt für sämtliche Lebensmittel also lediglich gemessene Durchschnittswerte an. Alles andere wäre nicht praktikabel.

Fazit


Das Konzept der Kalorienbilanz greift zu kurz. Wenn man unnötiges Körperfett los werden will, müssen Kalorien- und Nährstoffaufnahme zu den Bedürfnissen des Organismus passen.


Die Brennwerte von Nahrungsmitteln und den eigenen Energieverbrauch zu bilanzieren, ist jedoch nur der Anfang. Für sein Wunschgewicht darf mehr berücksichtigt werden, als ausschließlich die Kalorien. Essen ist Information für unseren Körper. Essen enthält Nährstoffe, die für den Körper mehr oder weniger wertvoll sein können. Diese Information hat großen Einfluss auf die Stoffwechselfunktionen. Stoffwechselfunktionien entscheidenen letztendlich über den Erfolg beim Projekt Wunschfigur.


2 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

©2020 Ayeshe Hercules. Erstellt mit Wix.com

  • Instagram
  • Facebook
  • LinkedIn
  • index