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Wie viel Körperfett ist normal?

Aktualisiert: Feb 23

Eine Mindestmenge an Körperfett ist lebensnotwendig. Für einen athletischen Look darf man den Körperfettanteil gering halten. Viel Körperfett jedoch ist ein echtes Gesundheitsrisiko. Aber wie viel ist zu viel?



Studien zeigen, dass zu viel Körperfett ein Gesundheitsrisiko ist.


Fettzellenproduzieren mehr als 600 verschiedene Hormone und Botenstoffe, die vom Körperfett ins Blut abgegeben werden. Über 20 davon stehen in direktem Zusammenhang mit Asthma, Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Schlaganfall und Herzinfarkt, Gicht, Gallenprobleme, Embolien und sogar Depressionen.


Zu viel Fettgewebe begünstigt Bluthochdruck, Diabetes, Gefäßverkalkung,Organschäden und die Entstehung von Krebszellen. Die Weltgesundheitsorganisation hat bestätigt, dass Übergewicht der Auslöser für eine halbe Million der jährlichen Krebsneuerkrankungen ist. Krebsspezialisten in Harvard schätzen sogar, dass Übergewicht weltweit bald führende Ursache für Krebserkrankungen sein wird, noch vor dem Rauchen [1] .


Körperfett reduzieren zu wollen, ist also nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern der Gesundheit.

Ist "dick" das neue "normal"?


Übergewicht wird immer seltener als solches erkannt. Wer nur nach Augenmaß geht, wird feststellen, wie schwer es ist, Normalgewicht zu erkennen. In unserer Gesellschaft sind wir den Anblick von Übergewicht so gewöhnt, dass wir es für "normal" halten.

Statistisch betrachtet ist die Gewichtsverteilung in Deutschland mittlerweile gedrittelt[2]:

  • etwas über ein Drittel der deutschen Bevölkerung sind normalgewichtig

  • etwas mehr als ein Drittel ist leicht übergewichtig

  • etwas weniger als ein Drittel ist adipös

  • etwa ein Prozent ist der Menschen in Deutschland ist heutzutage untergewichtig

Die "Mitte" unserer Gesellschaft - also das, was quasi die Norm darstellt - ist folglich leichtes Übergewicht.

War Marilyn Monroe übergewichtig?


Die Entwicklung zum neuen "normal" war schleichend und wurde von von Modeherstellern unterstützt. Und zwar mit "Vanity Sizing".


"Vanity Sizing" beschreibt die allmähliche Anpassung der Kleidergrößen an die Norm der Gesellschaft durch die Hersteller. Mit unzufriedenen Kunden macht man kein gutes Geschäft. Doch ein*e geschmeichelte*r Kunde*in ist ein*e kauffreudige*r Kunde*in.


Wer sich darüber freut, in kleinere Größen zu passen, ist eher zum Kauf bereit. Also werden größere Größe mit kleineren Konfektionsbezeichnungen versehen. Die Hersteller denken ökonomisch, aber die Kunden werden getäuscht.



Die berühmte Marilyn Monroe gilt als Sex-Ikone. Dabei wird häufig betont, dass sie „trotz“ ihrer „rundlichen“ Figur als Schönheit gilt. Das wir darauf bezogen, dass sie nach der damaligen Konfektionsbezeichnung Größe 42 trug. Wenn die durchschnittliche Frau heute Größe 42 trägt, trägt sie die Größe „50er Jahre Sexsymbol".

Ist das stimmig?


Betrachten wir die Fakten: Marilyn war - laut Angaben ihres Ausweises und ihres Kleidermachers - etwa 166cm groß, wog 53,5kg und hatte damit einen BMI von 19,5. Das entspricht dem BMI heutiger Hollywood-Stars. Mit einem BMI von 19,5 wäre Marilyn Monroe also auch nach heutigen Maßstäben extrem schlank [3].


Wie passt das jetzt zusammen? Ganz einfach: die Hersteller haben ihre Konfektionsgrößen der körperlichen Entwicklung der Gesellschaft angepasst. Konfektionsgröße 42 aus den 50er Jahren hat nicht die gleichen Maße wie Konfektionsgröße 42 heute.


Kleidergrößen sind also generell ein schlechter Maßstab für eine „gesunde Figur“. Normale Größen, Übergrößen und Modelmaße sind einfach relativ.


Schlagzeilen wie „Vor zwanzig Jahren wog das durchschnittliche Laufstegmodel noch acht Prozent weniger als die durchschnittliche Frau. Heute sind es 23 Prozent“ sind kein Anlass, sich aufzuregen. Sondern sie stellen einen einfachen Zusammenhang dar:

Models sind nicht im Schnitt noch dünner geworden, sondern die Durchschnittsfrau ist lediglich dicker geworden.

Schlank, aber fett?


Man muss nicht übergewichtig sein, um zu viel Körperfett zu haben.

Auch schlanke Menschen können zu viel Fettgewebe mit sich herum tragen.


Schlanke Menschen, deren Fettmasse im Vergleich zur fettfreien Masse hoch ist, sind laut BMI normalgewichtig, aber metabolisch gesehen adipös. Damit teilen sie sämtliche Krankheitsrisiken mit übergewichtigen Menschen.


Der BMI hat begrenzte Aussagefähigkeit für folgende Randgruppen:

  • Personen mit einem hohen Anteil an Muskelmasse (z.B. Kraftsportler)

  • Personen mit einem sehr geringen Anteil an Muskelmasse (genannt "skinny fat")

Der BMI vergleicht Masse und Größe, unterscheidet aber nicht zwischen Fett- und Muskelmasse.


Ein Kraftsportler mit hoher Muskelmasse kann als übergewichtig eingestuft werden, ist aber metabolisch nicht gefährdet . Eine Person mit sehr geringer Muskelmasse kann als normalgewichtig gelten, dabei aber metabolisch gefährdet sein.


Der Körperfettanteil ist aussagekräftiger als der BMI bezüglich gesundheitliche Risiken, kann aber auch nicht als Richtlinie für alle gelten [4] .

Was ist ein gesunder Körperfettanteil?


Dazu muss man unterscheiden:


1. der Minimalwert an Körperfett

2. der gesunde Idealwert an Körperfett

3. der Körperfettanteil für eine athletische Figur


Der menschliche Organismus benötigt ein bestimmtes Minimum an Fett, um alle Körperfunktionen uneingeschränkt am Laufen zu halten und die inneren Organe zu schützen. Dieser Minimalwert variiert natürlich je nach Lebensstil und Genetik.

Zum Idealwert, also welcher Körperfettanteil ok ist, ohne das Krankheitsrisiko zu erhöhen, gibt es keine einheitliche wissenschaftliche Erkenntnis, jedoch folgende Einschätzung:

  • Männer: 12 % – 20 % Körperfettanteil

  • Frauen: 20 % – 30 % Körperfettanteil

Der Idealwert beschreibt den Körperfettanteil, bei dem die Vitalfunktionen optimal laufen und der Organismus weder unterversorgt ist noch durch zu viel Körperfett beeinträchtigt wird.


Der Körperfettanteil für eine athletische Figur liegt für die meisten Menschen zwischen dem Minimalwert und dem Idealwert.


Zusammengefasst:

  1. schlanke Menschen können ebenso zu viel Körperfett haben wie Übergewichtige

  2. ein niedriger als auch ein hoher Körperfettanteil sagen noch nichts über einen gesunden oder einem ungesunden Lebensstil aus

  3. "normalgewichtig" und "normale" Kleidungsgrößen passen sich gesellschaftlichen Gewichtsnormen an

  4. adipöse Menschen mit guter Fitnesslevel sind gefährdeter als normalgewichtige Menschen mit schlechter Fitness -> schlank zu sein schützt mehr vor metabolen Krankheiten als fit zu sein [5]

FAZIT


Körperfett dient als lebensnotwendiger Energiespeicher. Bei der Frage danach, was "normal" ist, müssen verschiedenen Faktoren berücksichtigt werden und grundsätzlich unterscheiden zwischen


1. Mindestanteil Körperfett für einen funktionsfähigen Organismus

2. Idealanteil Körperfett für optimale Stoffwechselprozesse

3. dem Körperfett für eine athletische Figur


Ein höherer Körperfettanteil ist zum Durchschnitt und damit zur "Norm" geworden. Deshalb gilt leichtes Übergewicht als "normal", bleibt aber ein Risikofaktor für verschiedene Krankheiten.

Der Körperfettanteil ist geeigneter als der BMI, um Krankheitsprävention zu beurteilen. Der Körperfettanteil setzt die Muskelmasse ins Verhältnis zur Fettmasse. Damit kann er aufdecken, dass eine schlanke und sportliche Person trotzdem einen zu hohen Körperfettanteil haben kann.

Quellen


[1] Prof. Dr. med. Beliveau, R. und Dr. med. Gingras, D. (2017)2: Krebszellen mögen keine Himbeeren, S. 46 f. München.


Reaven GM., "Insulin resistance: the link between obesity and cardiovascular disease." Med Clin North Am. 09.2011;95(5):875-92 .


Pesheva, E. (2014) Study: Obesity fuels silent heart damage, increased risk of future heart failure. Evidence of heart muscle damage seen even among symptom-free people. John Hopkins News Network: November 25, http://hub.jhu.edu/2014/11/25/obesity-heart-disease-risk.


[2] Mensik et.al. (2013): Übergewicht und Adipositas in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt 56, 786-794.


[3] Dr. Hermann, N. (2017)13: Fettlogik überwinden, S. 312. Berlin


[4] Abernathy et.al., Purdue University, 1996. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8615340 (Stand 06-2018).


[5] Dr. Hermann, N. (2017)13: Fettlogik überwinden, S. 97f. Berlin

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